In der Nacht vom 6. auf den 7. Februar 2025 brachten Hamun Hirbod, Vertreter von Die PARTEI im Hildesheimer Rat, und Ortwin Bönhold, stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbands, am CDU-Büro in der Bahnhofsallee ein neues Namensschild an. Was folgte, war ein Ratssitzungs-Eklat, ein Auszug halber Koalitionen, ein zerbrochener Blumentopf im Kreistag. Bis heute ist der Konflikt nicht vollständig ausgeräumt. Diese Seite dokumentiert, was wirklich geschah, mit echten Quellen zu jedem Punkt.
Neun Tage zuvor, am 29. Januar 2025, stimmte die Unions-Fraktion im Bundestag bei einem Antrag zur Migrationspolitik erstmals gemeinsam mit der AfD ab: 348 Ja-Stimmen, darunter die der AfD-Fraktion. Bundesweit lösten die gemeinsamen Stimmen von CDU/CSU und AfD Kritik und Proteste aus; auch die frühere Kanzlerin Angela Merkel äußerte sich öffentlich kritisch zu diesem Kurs von Unions-Fraktionschef Friedrich Merz.
Für Hirbod war die Namensschild-Aktion am CDU-Büro als Satire gemeint, um genau gegen diese Zusammenarbeit von CDU und AfD im Bundestag zu protestieren, ein zugespitztes, bewusst unbequemes Bild für einen Tabubruch, den viele als solchen empfanden.
Belegt mit echten Presseartikeln, chronologisch geordnet
Hamun Hirbod und Ortwin Bönhold bringen in der Nacht am CDU-Büro „Helmut-Kohl-Haus" (Bahnhofsallee, Hildesheim) ein Schild mit der Aufschrift „Adolf Hitler Haus" an, posieren davor und verschicken Foto samt Pressemitteilung selbst. Anlass ist die gemeinsame Abstimmung von CDU und AfD im Bundestag neun Tage zuvor; die PARTEI erklärt: „Jetzt steht wenigstens drauf, was drin ist. Wer CDU wählt, holt damit die Nazis von der AfD an die Macht." CDU-Bezirksgeschäftsführer Gero Wessel nennt die Aktion „einfach nur noch widerwärtig" und kündigt an, als Privatperson Anzeige zu erstatten. Quelle: HAZ
Die Gruppe vor Ort in der Nacht der Aktion.
Die Gruppe aus CDU, Unabhängigen und FDP fordert, Hirbod solle seinen Ausschussvorsitz abgeben. Der stellv. CDU-Fraktionschef Frank Wodsack nennt die Aktion „abscheulich" und hält sie für strafrechtlich relevant; die CDU erstattet Anzeige. Quelle: HAZ
Die CDU-Fraktion, ihre Partner von FDP und Unabhängigen sowie die AfD-Vertreter verlassen aus Protest gegen Hirbod eine Ratssitzung. Oberbürgermeister Ingo Meyer erklärt anschließend, er halte Hirbod „nicht mehr für geeignet", Ausschussvorsitzender zu sein, und erntet dafür Kritik der SPD an seiner Neutralität. Quelle: HAZ
Bevor er mit seiner Fraktion den Saal verlässt, begründet CDU-Ratsmitglied Thomas Brandes den Auszug: Hirbod habe versucht, „mit linksextremistischen Mitteln einen Keil in die demokratische Mitte zu treiben". Wörtlich fügt er hinzu: „Wer einmal seine Frau schlage, schlage sie immer wieder." Quelle: HAZ
Nur CDU-Fraktionschef Dennis Münter erscheint zur Sitzung des von Hirbod geleiteten Ausschusses, verliest eine kurze Erklärung („Es ist schwierig, das zu kitten") und verlässt den Saal. Der Rest seiner Gruppe bleibt fern. Quelle: HAZ
Ein CDU-Missbilligungsantrag gegen Hirbod scheitert an rechtlichen Bedenken der Kommunalaufsicht; CDU-Kreisvorsitzende Katharina Spengler nennt sein Verhalten dennoch „schlichtweg eine Frechheit". Zuvor hatte Hirbod dem CDU-Fraktionschef eine Topfpflanze und das Buch „Es ist 5 vor 1933" geschenkt, um zu vermitteln. Annette Mikulski knallte ihm die Pflanze auf den Tisch und zerriss das Buch vor seinen Augen; CDU-Kollege Andreas Koschorrek entschuldigt sich noch am selben Abend per SMS: „Ein solches Verhalten ist absolut unakzeptabel." Quelle: HAZ (Debatte) · Quelle: HAZ (Attacke)
Zurückgelassene Schäden nach der Sitzung.
Das zerrissene Buch im Detail.
Grünen-Fraktionschef Holger Schröter-Malohn nennt das Zerreißen des Buches „sehr verwerflich": „Das erinnert mich an die dunkelste Geschichte unseres Landes." SPD-Abgeordnete Iris Sikiera, von Mikulski nach deren Rede ebenfalls verbal angegangen, findet: „Eigentlich ist Frau Mikulski nach diesen Auftritten für die CDU-Fraktion nicht mehr tragbar." Mikulski selbst lehnt eine Stellungnahme ab. CDU-Vizefraktionschefin Katy Renner-Köhne distanziert sich zudem von Koschorreks Entschuldigung: Er habe sich nicht mit dem Fraktionsvorstand abgestimmt und könne „nur für sich sprechen". Quelle: HAZ
In seiner HAZ-Kolumne dreht Redakteur Rainer Breda den Vorwurf um: Wer wie Mikulski „mit Blumentöpfen um sich wirft und … Bücher zerreißt, sollte erst einmal seine eigene Eignung als Abgeordnete überdenken". Nicht bei Hirbod, sondern bei ihr sei nun die rote Linie überschritten. Quelle: HAZ
Hirbod bekräftigt im Rat, es tue ihm „aufrichtig leid", dass etwas anderes als beabsichtigt hängengeblieben sei; SPD und Grüne applaudieren durch Tischklopfen. Fraktionschef Dennis Münter wertet dies als „ersten Schritt", besteht aber weiter auf Konsequenzen „auch in Bezug auf das Amt". Quelle: HAZ
Die Staatsanwaltschaft stellt die Ermittlungen gegen Hirbod und Bönhold ein: keine Straftat. HAZ-Kommentator Breda merkt an, geprüft worden sei unter anderem ein „möglicher Hitler-Gruß" auf dem Aktionsfoto, was „eine klar gegen Rechts gerichtete Aktion zur Straftat" gemacht hätte: „Wie bitte?" Quelle: HAZ
SPD-Kreistagsfraktionschef Werner Preissner kritisiert, dass CDU-Fraktionschef Friedhelm Prior sich zu Mikulskis Verhalten weiterhin nicht geäußert habe. Die CDU weist die Forderung zurück und verweist auf eine frühere Kreistagssitzung, bei der ein Antrag der Mehrheitsgruppe auch AfD-Stimmen erhalten hatte; Hirbod widerspricht dieser Darstellung. Quelle: HAZ
Über ein Jahr nach dem Vorfall stellt die CDU Annette Mikulski auf Listenplatz 1 ihrer Kreistagsliste für den Wahlbereich Hildesheim Ost auf. Konsequenzen aus dem Kreistags-Eklat hatte es nie gegeben; auch Koschorreks Entschuldigung blieb, wie berichtet, eine private Meinungsäußerung ohne Rückhalt der Fraktion. Quelle: Radio Tonkuhle
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